Presseinformation

Mohamed Bourouissa – Pour Noubia

Do 11. 9. 2025 um 11 Uhr

Das Marta Herford präsentiert die bislang umfangreichste museale Einzelausstellung des international bekannten Künstlers Mohamed Bourouissa (*1978 in Blida, lebt in Paris) in Deutschland. Auf poetische Weise und in ergreifenden Rauminszenierungen thematisiert der Künstler anhand einzelner Protagonist*innen Themenfelder, die von einer sich bis heute fortschreibenden Kolonialgeschichte und struktureller Diskriminierung bis hin zu persönlicher Erinnerung reichen. Die von der Gastkuratorin Oriane Durand (*1981 in Marseille, lebt in Berlin) entwickelte Ausstellung zeichnet einen Parcours ausgehend von Deutschland über die Pariser Vororte bis zur algerischen Heimat des Künstlers. Die Auswahl umfasst Fotografien, Filme und Installationen von 2005 bis heute, wobei viele der Arbeiten speziell für die Architektur des Museums neu entwickelt oder erstmalig in dieser Schau gezeigt werden.

Die Ausstellung mit dem Titel Pour Noubia ist, ebenso wie die neu konzipierte Filminstallation, der in Bielefeld beerdigten Tante des Künstlers gewidmet. Der Film Noubia (2025) verwandelt den 22 Meter hohen Ausstellungsraum (Dom) in eine Art Mausoleum, in dem er großformatig auf ein ca. 100qm großes Tuch projiziert wird. Noubia Meier wurde 1942 in Blida geboren und begann bereits in jungen Jahren, während des Algerienkriegs (1954–1962), als Prostituierte zu arbeiten. Sie migrierte über Frankreich und Belgien nach Osnabrück, wo sie zunächst in einem Bordell und später als selbstständige Domina tätig war und auch heiratete.

Mit ihrem Tod im Jahr 2022 hinterließ sie ihrem Neffen zahlreiche Fotografien und Videokassetten. Mohamed Bourouissa hat seine Tante nicht nur vielfach besucht, sondern zudem Audioaufnahmen mit ihr gemacht. Auf dieser Basis und unter Nutzung von Künstlicher Intelligenz entwickelte er einen Film, der sie wieder zum Leben erweckt.

Dieser ist als Rauminstallation in eine Kieslandschaft eingebettet, umgeben von weiteren Skulpturen und bildet so einen Ort der Ruhe. In der Ausstellungsgestaltung zitiert Bourouissa an vielen Stellen das Umfeld der Tante, so erinnert beispielsweise ein Pool an eine der Fotografien aus dem Osnabrücker Bordell. Auch er selbst taucht, noch im Kindesalter, an einigen Stellen des Films auf. Die am Pool stehende Jungenfigur kann ebenfalls als biografische Referenz gelesen werden.

Das einfühlsame Porträt der arabischen Migrantin und Sexarbeiterin schildert die Hindernisse, welche sie überwinden musste, aber auch ihre Kräfte, ihre ungebrochene Lebensfreude und ihren selbstbestimmten Weg in die Unabhängigkeit als Frau und Unternehmerin. Auch wenn Bourouissas Arbeiten stets aus seinem Umfeld hervorgehen, offenbart dieses neue Werk eine sowohl persönliche als auch kollektive Erzählung.

In die Pariser Vorstädte führt der mehrfach preisgekrönte Film Généalogie de la Violence (2024, dt. Genealogie der Gewalt). Hier wird aus der Perspektive eines Erzählers von seiner Verabredung mit einer jungen Frau erzählt. Das Pärchen, das sich in einem parkenden Auto unterhält, wird plötzlich von der Polizei kontrolliert. Diese Kontrolle, die vermeintlich banal hätte sein können, enthüllt die Logik des Racial Profiling und die Handlungen eines staatlichen Systems, das von rassistischen Strukturen durchdrungen ist. Die eindringliche Bildebene des Films, in der Real- und Gedankenraum in einer Animation ineinander übergehen, lässt die enorme psychische Belastung nachvollziehen, die Betroffene kennen.

Gitter und damit Strukturen kennzeichnen die Werke, aber auch die Gestaltung des Ausstellungsparcours. Große, blau, rot und orange leuchtende Raumelemente mit dem Titel Lila (abgeleitet vom arabischen lail=Nacht) (2024) versammeln zahlreiche Objekte und Reste von Skulpturen aus dem Atelier. An den Wänden setzt die Werkreihe Hands (2024-2025) diese vielschichtigen Bildelemente fort. Die Serie von Wandobjekten besteht aus Schichten von Folien und Gitterstrukturen, hinter und auf welchen sich Fotografien von Körperteilen wie Händen, Gesichtern und Gesten befinden.

Die physische Begegnung vollzieht sich im Ausstellungsparcours durch vielerlei Facetten: So entstand eine Aluminiumskulptur in Form eines kariösen Zahns, der als Metapher für die tiefgreifenden Folgen veränderter Essgewohnheiten, die durch koloniale Einflussnahme in besetzten Gebiete eingeführt wurden, gelesen werden kann. Dieses und weitere Werke stehen sinnbildlich für Fragen von körperlicher Existenz im Kontext der Herrschaftsverhältnisse, die eine Kultur über eine andere ausübt.

Ein weiteres Kapitel mit Bezug zu Paris widmet sich der Fotoserie Périphérique (peripher), die zwischen 2005 und 2011 entstand und mit der Mohamed Bourouissa in der zeitgenössischen Kunstszene bekannt wurde. Die Fotografien wurden in den Pariser Banlieues aufgenommen und zeigen junge Männer in inszenierten Kompositionen. Die Szenen zitieren Gemälde des 19. Jahrhunderts, wie jene des französischen Malers Eugène Delacroix. Bourouissa nutzt den europäischen Bilderkanon, um in der heutigen Gesellschaft marginalisierte Bevölkerungsgruppen empathisch und würdevoll in Szene zu setzen.

Eine hölzerne Struktur, inspiriert von der Architektur des psychiatrischen Krankenhauses in Blida, markiert eine weitere Station des Rundgangs. Blida, die Heimatstadt der Familie des Künstlers, erlangte durch die Arbeit des Psychiaters und antikolonialen Denkers Frantz Fanon große Bedeutung. In den 1950er-Jahren untersuchte Fanon hier die tiefgreifenden psychischen Auswirkungen des Kolonialismus auf die kolonialisierte Bevölkerung.

Im Zentrum der Installation steht die Mehr-Kanal-Videoarbeit Le murmur des fantômes (The Whispering of Ghosts) (2018). Im Film erzählt der ehemalige Patient Fanons, Bourlem Mohamed, von seinen Erfahrungen der Gewalttaten der französischen Kolonialherrschaft. Der traumatisierte Protagonist entwickelte durch die Gestaltung des Gartens der Klinik seine eigene Form der Verarbeitung. Mit diesem Werk thematisiert Bourouissa nicht nur die Nachwirkungen des Algerienkriegs, sondern er stellt auch eine exemplarische Form der Resilienz in den Fokus.

Schließlich zeigt die Ausstellung eine Reihe bislang unveröffentlichter Fotografien, die zwischen 2007 und 2008 in und um Blida in Algerien aufgenommen wurden. Es handelt sich um Porträts und Landschaftsansichten, die sich in unterschiedlichen Formaten selbst wie ein lebendiges Panorama über die geschwungenen Wände der Galerie ziehen. Über ihren dokumentarischen Realismus hinaus vermittelt ihre unprätentiöse Unmittelbarkeit ein Gefühl des gelebten Alltags, das einen Raum für Resonanz und der Verbundenheit eröffnet.

Die Ausstellung wird in Kooperation mit dem Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich, realisiert, wo sie im Juni 2026 zu sehen sein wird.

Gefördert durch
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

In Kooperation mit
Trampoline Association

Künstlerische Leitung
Kathleen Rahn (Direktorin Marta Herford)

Gastkuratorin
Oriane Durand

Exponate
30 Werke, darunter Video, Installation, Fotografie, Skulpturen und Wandobjekte

Ausstellungsfläche
Gehry-Galerien: ca. 1200 qm

Laufzeit
13.9.2025 – 18.1.2026

Ausstellungsort
Marta Herford, Goebenstraße 2–10, D-32052 Herford

Öffnungszeiten
Di–So und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr, Mi 11 bis 20 Uhr
am 24./25./31.12. sowie Karfreitag geschlossen
am 26.12. 11 bis 18 Uhr, Neujahr ab 13 Uhr geöffnet

Kontakt/Infos
www.marta-herford.de
info@marta-herford.de
Tel.: +49-5221-99 44 30-0
Fax: +49-5221-99 44 30-23

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Kontakt

Jana Mareike Lehnert
+49 (0)5221 994 430-27
presse@marta-herford.de

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Ausstellungen & Begleitprogramm

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Architektur Marta Herford

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Begleitprogramm

11.30 18.00
Veranstaltung

Begleitend zur Ausstellung Mindset Los Angeles wird jeden Sonntag ein ausgewähltes Filmprogramm bei freiem Eintritt im Marta-Forum präsentiert (an einzelnen Sonntagen an einem alternativem Ort).

 

1. Programmblock (28. 6.–27. 9. 2026)

11.30–12.18 Uhr: Gehry’s Vertigo (48 Min.)

12.30–13.25 Uhr: Large Scale Projects: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen (55 Min.)

13.30–14.52 Uhr: Sketches of Frank Gehry (82 Min.)

15–17.51 Uhr: Los Angeles Plays Itself  (171 Min.)

 

Der erste Teil des Filmprogramms versammelt vier Filme, die sich Frank Gehrys Architektur und ihrem Bezug zur Kunst aus unterschiedlichen Richtungen nähern. Darüber hinaus wird die Stadt Los Angeles in den Blick genommen. Gehry’s Vertigo zeigt das Guggenheim-Museum in Bilbao aus der Perspektive der abgeseilt arbeitenden Reinigungskräfte und bringt  seine geschwungenen Flächen schwindelerregend nahe. Large Scale Projects zeigt Gehrys Zusammenarbeit mit dem Künstler*innenpaar Claes Oldenburg und Coosje  Van Bruggen, aus der Werke hervorgehen, die sich zwischen Skulptur, Objekt und Architektur bewegen.

In Sketches of Frank Gehry zeichnet Sydney Pollack ein persönliches Porträt und wendet sich dem Architekten selbst zu: seiner Person und seinem Arbeitsprozess, von der ersten raschen Skizze über Modelle bis zum fertigen Gebäude. Los Angeles Plays Itself richtet den Blick schließlich auf die Stadt und fragt, wie deren moderne Architektur im Kino gelesen und immer wieder umgedeutet wird. Das Programm verbindet so das einzelne Bauwerk, den Entwurfsprozess, die Nähe zur Kunst und die Stadt als Bild; jenes Los Angeles, aus dem Frank Gehry und die Cool School hervor­gingen und welches sie ihrerseits mitprägten.

 

11.30–12.18 Uhr:
Gehry’s Vertigo (Gehrys Höhenschwindel)
Regie: Ila Bêka & Louise Lemoine · 2011 · 48 Min. · Spanisch (engl. Untertitel) · Bêka & Lemoine

Der Film erschließt das Guggenheim-Museum in Bilbao aus ungewohnter Perspek­tive: aus dem Blickwinkel der Reinigungskräfte, die den 1997 von Frank Gehry errich­te­ten Bau am Seil hängend reinigen und instand halten. Die Kamera folgt ihnen im Inneren des Museums wie auch außen; an der titanverkleide­ten Fassade und auf dem Dach ebenso wie im hohen, gläsernen Atrium. Die für Gehry charakteristischen geschwunge­nen, schräg geneigten Flächen machen die Arbeit in oft schwindel­erre­gen­der Höhe zur Herausforde­rung. Darauf spielt auch der Titel an: Vertigo bedeutet Schwindel. Ein Teil der Kameras ist an den Helmen der Arbeitenden befestigt, sodass man Dach und Atrium aus ihrer subjektiven Perspektive erlebt; die mitunter wacke­ligen Bilder verleihen dem Film eine unmittelbare, authentische Wirkung.

Auf eine erklärende Erzählstimme wird verzichtet; zu hören sind Äuße­run­gen der Arbeitenden selbst. Daneben beobachtet der Film das alltägliche Geschehen im Museum, etwa eine Hochzeitsgesellschaft beim Fotografieren, und begleitet einen Jungen, der die Räume durchstreift. So wird das Bauwerk von innen wie außen erfahrbar, durch die Augen derer, die ihm täglich am nächsten kommen.

 

12.30–13.25 Uhr:
Large Scale Projects: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen (Großprojekte: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen)
Regie: Lana Jokel & Nicholas Doob · 1992 · 55 Min. · Englisch · Filmmakers Library / Alexander Street

Der Film porträtiert die künstlerische Zusammenarbeit von Claes Oldenburg (1929–2022) und Coosje Van Bruggen (1942–2009), die über drei Jahrzehnte hinweg gemein­sam monumentale Skulpturen für den öffentlichen Raum schufen. Die gebürtige Niederländerin Van Bruggen kam aus dem kuratorisch-kunsthistorischen Feld und war Kuratorin am Stedelijk Museum in Amsterdam; der in Schweden geborene Oldenburg war ein amerikani­scher Bildhauer, der sich mit Alltagsobjekten und der Konsumwelt auseinandersetzte und neben Andy Warhol zu den Ikonen der Pop Art zu zählen ist. Bekannt wurde er für die vergrößerte Darstellung alltäglicher Gegenstände ins Monumentale, wodurch vertraute Objekte zu raumgreifenden Formen verfremdet wurden.

Der Film begleitet mehrere ihrer Projekte von der ersten Idee bis zur Aufstellung, darunter Spoonbridge and Cherry (Löffel­brücke und Kirsche, 1988) in Minneapolis und Dropped Bowl with Scattered Slices and Peels (Heruntergefallene Schüssel mit ver­streuten Scheiben und Schalen, 1989) in Miami. Mehrfach arbeiteten die beiden mit dem Architekten Frank Gehry zusammen, woraus unter anderem das Knife Ship (Messerschiff) hervorging: ein überdimensio­nales Schweizer Taschenmesser, das zugleich ein fahrtüchtiges Schiff war. Für die Biennale in Venedig konzipiert, wurde es 1985 für die Performance Il Corso del Coltello realisiert. Im Film ist es im New Yorker Guggenheim Museum zu sehen.

Auch das Binocular Building (Fernglas-Gebäude, 1991) in Venice, Kalifornien, entstand in Zusammenarbeit mit Gehry. Dort ist die Skulptur unmittelbar in den Bau integriert: Ein monumentales Fernglas bildet den Eingang; zwischen seinen beiden Röhren fahren Autos wie durch ein Tor in die Tiefgarage. In den Röhren liegen Besprechungsräume; und was von außen die Okulare des Fernglases sind, wird hier von innen zum Oberlicht: zwei runde Öffnungen, durch die das Tageslicht herabfällt.

 

13.30–14.52 Uhr:
Sketches of Frank Gehry (Skizzen von Frank Gehry)
Regie: Sydney Pollack · 2006 · 82 Min. · Englisch (mit dt. Untertiteln) · Sony Pictures Classics (PBS American Masters)

Von dem renommierten Hollywood-Regisseur Sydney Pollack stammen Spielfilme wie Tootsie und Out of Africa (Jenseits von Afrika), ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Oscar und Golden Globe. Sketches of Frank Gehry ist seine einzige Dokumen­tation. Der Film ist als persönliches Gespräch zweier langjähriger Freunde angelegt, in dem Pollack selbst in Erscheinung tritt. Sein Interesse gilt dabei neben den Gebäuden vor allem dem Menschen Frank Gehry, den er als ausgesprochen selbstkritische Figur zeichnet. Den Ausgangspunkt bilden Gehrys rasche Skizzen, die am Beginn jedes Entwurfs stehen und dem Film seinen Titel geben. Mehrere seiner Bauten werden thematisiert: wie das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die DZ Bank (ehemals DG Bank) in Berlin.

Zahlreiche Stimmen kommen hinzu, darunter die Künstler Ed Ruscha und Dennis Hopper sowie der Architekt Philip Johnson. Als Gegenstimme tritt der Kunstkritiker   Hal Foster auf, der Gehrys Werk skeptisch gegenübersteht. 2006 wurde der Film beim Filmfestival in Cannes gezeigt.

  

15–17.51 Uhr:
Los Angeles Plays Itself (Los Angeles spielt sich selbst)
Regie: Thom Andersen · 2003 · 171 Min. · Englisch · The Cinema Guild

Los Angeles ist die Stadt, aus der Frank Gehry und die Cool School hervorgingen, geprägt von modernistischer Architektur, ihren Straßenräumen und ihrer spezifi­schen Atmosphäre. Dieser Essayfilm geht der Frage nach, wie eben diese Stadt im Kino bzw. im Film dargestellt wird. Dafür montierte Thom Andersen über 200 Ausschnitte aus bekannten und weniger bekannten Spielfilmen aus annähernd hundert Jahren Filmgeschichte.

Er ordnete sie drei Rollen zu, die Los Angeles im Film spielt, von der beiläufigsten bis zur tragenden: zunächst die der bloßen Kulisse, vor der die Handlung abläuft; dann als eigenständige Figur, die das Geschehen mitprägt; und schließlich die des eigentlichen Themas, von dem der Film selbst handelt. Andersen stellt die These auf, dass das von Hollywood entworfene Bild das tatsächliche Los Angeles überlagern würde. So legt er etwa offen, wie in Filmen die moderne Architektur der Stadt wiederkehrend zu „Villen von Bösewichten“ umgedeutet werden, wie ganze Stadtviertel hinter dieser Projektion verschwinden, wie Los Angeles als Schauplatz für gänzlich andere Orte dient und wie die berüchtigten Auto-Verfolgungsjagden ein verzerrtes Bild zeichnen.

Den Kommentar verfasst Andersen selbst, in der Ich-Form; gesprochen wird er von seinem Freund Encke King. 2003 erhält der Film beim Filmfestival im kanadischen Vancouver den Preis für den besten Dokumentarfilm.

 

2. Programmblock ( 4.10. 2026–10. 1. 2027)

12–13.22 Uhr: Sketches of Frank Gehry (82 Min.)

13.30–13.57 Uhr: Edward Kienholz: The Story of an Artist (27 Min.) 

14–14.58 Uhr: Frank Gehry: The Formative Years (58 Min.)

15–15.57 Uhr: Artbound: Light & Space (57 Min.)

 

Der zweite Teil des Filmprogramms rückt das Umfeld, aus dem Gehry kam, weiter in den Blick: die Kunstszene von Los Angeles und die sogenannte Cool School. Sketches of Frank Gehry ist auch bei dieser Auswahl der Dreh- und Angelpunkt und zeichnet den Architekten als ausgesprochen selbstkritische Figur, die sich der Welt der Kunst oft näher fühlte als dem eigenen Berufsstand. Ed Kienholz: Story of an Artist führt zum Ausgangspunkt dieser Szene, zur Ferus Gallery, die Kienholz 1957 mitbegründete und die zum Treffpunkt der Cool School wurde.

Frank Gehry: The Formative Years zeigt, wie eng Gehry mit Künstler*innen dieser Szene verbunden war, und erinnert daran, dass er für sein Wohnhaus in Santa Monica gerade jene alltäglichen Industrie­materia­lien verwendete, die damals als architektur­unwürdig galten. Light and Space stellt schließlich die kalifornische Kunstrichtung um Robert Irwin, Larry Bell und Helen Pashgian vor, die durch die Erforschung von unkonventionellen Materialien und dem kalifornischen Licht die Sinneserfahrung selbst zum Thema machte. Ihre Werke berühren Fragen, die auch für Gehrys Schaffen von Bedeutung sind.

So öffnet die Auswahl eine bestimmte Perspektive: Gehrys Architektur erscheint als eigenständige Größe des Bauens, eng verwoben mit einer Szene, die Wahrnehmung erprobte, Disziplingrenzen überschritt und das vermeintlich Geringe zum Material erhob.

 

12–13.22 Uhr:
Sketches of Frank Gehry (Skizzen von Frank Gehry)
Regie: Sydney Pollack · 2006 · 82 Min. · Englisch (mit dt. Untertiteln) · Sony Pictures Classics (PBS American Masters)

Von dem renommierten Hollywood-Regisseur Sydney Pollack stammen Spielfilme wie Tootsie und Out of Africa (Jenseits von Afrika), ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Oscar und Golden Globe. Sketches of Frank Gehry ist seine einzige Dokumen­tation. Der Film ist als persönliches Gespräch zweier langjähriger Freunde angelegt, in dem Pollack selbst in Erscheinung tritt. Sein Interesse gilt dabei neben den Gebäuden vor allem dem Menschen Frank Gehry, den er als ausgesprochen selbstkritische Figur zeichnet. Den Ausgangspunkt bilden Gehrys rasche Skizzen, die am Beginn jedes Entwurfs stehen und dem Film seinen Titel geben. Mehrere seiner Bauten werden thematisiert: wie das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die DZ Bank (ehemals DG Bank) in Berlin.

Zahlreiche weitere Stimmen kommen hinzu, darunter die Künstler Ed Ruscha und Dennis Hopper sowie der Architekt Philip Johnson. Als Gegenstimme tritt der Kunst­kritiker Hal Foster auf, der Gehrys Werk skeptisch gegenübersteht. 2006 wurde der Film beim Filmfestival in Cannes gezeigt.

  

13.30–13.57 Uhr:
Ed Kienholz: Story of an Artist (Ed Kienholz: Geschichte eines Künstlers)
Regie: William Kronick · 1961 · 27 Min. · Englisch · Wolper Productions (Warner Bros. / Filmbank)

Der Film begleitet den jungen Ed Kienholz (1927–1994) dabei, wie er seine erste Einzel­aus­stellung in der Ferus Gallery in Los Angeles vorbereitete. Diese von ihm und Walter Hopps 1957 gegründete Galerie wurde zum zentralen Treffpunkt und Ort des Austausches der lokalen Künstler*innenszene, der sogenannten Cool School. Kienholz galt als umstrittener Künstler; er verhandelte gesellschaftliche Tabus und Missstände in damals als drastisch empfundenen Bildern. Er ist ein wichtiger Vertreter der Assemblage, einer Technik, bei der Werke aus Alltagsdingen und Fundstücken zusammengesetzt werden. Der Film zeigt vor allem Kienholz bei der Arbeit und mündet schließlich in die dicht gedrängte Eröffnung und die nachfolgende ausgelassene Feier in der Bar Barney’s Beanery. Diese war ebenfalls ein wichtiger Treffpunkt von Künstler*innen und Musiker*innen. Kienholz bildete die Bar später in seiner berühmten begehbaren Skulptur The Beanery (1965) nach.

Entstanden ist der Film 1961 in Los Angeles unter der Regie von William Kronick, als Fernsehproduktion für David L. Wolper, mit einer Titelmusik von Elmer Bernstein; durch die Sendung führt John Willis.

 

 14–14.58 Uhr:
Frank Gehry: The Formative Years (Frank Gehry: Die prägenden Jahre)
Regie: Michael Blackwood · 1988 · 58 Min. · Englisch · Michael Blackwood Productions

Der Film widmet sich den frühen Jahren Frank Gehrys in Los Angeles, kommentiert vom Architekten selbst. Im Zentrum steht sein eigenes Wohnhaus in Santa Monica: ein zunächst gewöhnliches Haus im holländisch-kolonialen Stil aus den 1920er-Jahren. Gehry erweiterte dieses 1978, indem er es mit alltäglichen Industriematerialien um­mantelte, mit Maschendraht, Wellblech und Sperrholz. Solche Materialien galten damals als minderwertig und nicht als architekturwürdige Baustoffe. Mit diesem Umbau setzt Gehry diese gerade deshalb und in völlig neuer Weise ein. Das Haus sorgt so für Aufsehen: bei den Nachbarn für Empörung, in der Fachwelt für Beachtung, die Gehrys Ruf begründet.

Der Film zeigt zudem weitere frühe Bauten im Großraum Los Angeles, das Norton House, die Loyola Law School und das Aerospace Museum, und damit Gehrys Weg vom privaten Wohnhaus zum großen öffentlichen Gebäude. Zu Wort kommen Künstler aus seinem Umfeld in Los Angeles: Billy Al Bengston, Ron Davis und Ed Moses, die Architekturhistoriker Kenneth Frampton und Kurt Forster, sein Psychoanalytiker Milton Wexler sowie seine Mutter Thelma Gehry.

 

15–15.57 Uhr:
Artbound: Light and Space (Richtung Kunst: Licht und Raum)
Regie: Sue Ding · 2020 · 57 Min. · Englisch · KCET / PBS SoCal (Artbound)

Im Mittelpunkt steht die Light and Space-Bewegung, eine in den 1960er-Jahren an der US-amerikanischen Westküste entstandene Kunstrichtung. Sie gilt als kalifornische Spielart des Minimalismus und ist eng mit dem hellen, beständigen Licht in Los Angeles verbunden. Der Film stellt drei zentrale Figuren der Bewegung vor: Robert Irwin, Larry Bell und Helen Pashgian, deren Werk die Kunsthistorikerin und Kuratorin Robin Clark bespricht. Sie arbeiteten mit künstlichem wie ebenso mit natürlichem Licht, das sich im Tagesverlauf verändert. Es wurde als bedeutender Bestandteil der Werke gesehen. Ihre Materialien stammten zum Teil aus der nach dem Zweiten Weltkrieg florierenden Auto- und Luftfahrtindustrie. Im Kern sind diese Arbeiten phänomenologische Untersuchungen; das Objekt ist dabei ein Vehikel, das den Akt des Sehens selbst erfahrbar macht.

Die von Sue Ding gedrehte Folge eröffnete 2020 die elfte Staffel der Reihe Artbound und wurde mit einem Los Angeles Area Emmy ausgezeichnet.

  

Programm + Texte: Marcus Herse, Künstler, Kurator und Wissenschaftler

14.00 16.30
Workshop

Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat bietet das Marta Herford ein offenes Mitmach-Angebot für Familien an.

Ob vor, nach oder während eines Ausstellungsbesuchs: Das offene Atelier in der Marta-Lobby lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, gemeinsam aktiv zu werden und verschiedene künstlerische Sprachen kennenzulernen.

Die Termine am 1. 3. und 19. 4. widmen sich dem Thema kreativ Natur entdecken.

 

Dauer
14 bis 16.30 Uhr

Ort
Marta-Lobby

Kosten
kostenfrei

Anmeldung
ohne Anmeldung, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

14.00 15.00
Führung

An der Seite einer*s Kunstvermittler*in erleben Sie die einzigartige Gehry-Architektur des Museums. Während des einstündigen Rundgangs bekommen Sie Informationen rund um das Marta als Bauwerk und haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Ticket
3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt

Anmeldung
ohne Anmeldung, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

15.00 16.00
Führung

In einer einstündigen Führung mit unseren freien Kunstvermittler*innen durch die aktuellen Ausstellungen bekommen Sie Informationen zu den ausstellenden Künstler*innen und ihren Werken und haben die Möglichkeit, Fragen an die Kunst zu stellen.

Ticket
3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt

Anmeldung
ohne Anmeldung

Ausstellungen