Presseinformation

ars viva 2026 – Ryan Cullen, Nazanin Noori, Prateek Vijan

Do 12 .3. 2026, 11 Uhr

14. 3. – 25. 5. 2026

Eröffnung 13. 3. 2026, 19 Uhr

Marta Herford präsentiert die drei Preisträger*innen des ars viva-Preises 2026: Ryan Cullen, Nazanin Noori und Prateek Vijan, und lenkt den Fokus auf eine neue Generation von Künstler*innen. Ihre eigens für die Schau in der Lippold-Galerie entwickelten und ausgewählten Beiträge thematisieren kulturelle, gesellschaftliche und politische Verflechtungen und eröffnen vielschichtige Perspektiven auf aktuelle Fragen.

Nazanin Noori: Klang, Raum und poetische Resonanz

Nazanin Noori (*1991 in Wiesbaden, lebt in Berlin) arbeitet interdisziplinär an der Schnittstelle von Klang, Raum, Text und Performance. In ihren Installationen erforscht sie, wie Inszenierung und Darstellung kollektive Vorstellungen von Spiritualität, Macht und Gemeinschaft prägen. Dabei verbindet sie poetische, musikalische und räumliche Elemente zu atmosphärischen Erfahrungsräumen.

Ausgehend von religiösen, literarischen und musikalischen Quellen – zum Beispiel der sufistischen Mystik oder persischen Poesie – untersucht Noori spirituelle Weltbilder und ihre gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen. Ihre Arbeiten greifen historische und theologische Ideen auf und übertragen sie in zeitgenössische künstlerische Formen, in denen Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und Hierarchie neu gestellt werden.

Gleichzeitig sind ihre Arbeiten von aktuellen gesellschaftspolitischen Themen geprägt. Vor dem Hintergrund globaler Konflikte und Protestbewegungen reflektiert Noori Distanz, Resonanz und die mediale Vermittlung von politischen Ereignissen. Mit einer poetischen Bild- und Klangsprache eröffnet sie Räume, in denen persönliche Erfahrung, kulturelle Erinnerung und politische Gegenwart miteinander in Beziehung treten.

Ryan Cullen: Material, Konsum und gesellschaftliche Selbstinszenierung

Ryan Cullen (*1992 in Boston, USA; lebt in Brüssel und Berlin) arbeitet an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur und Installation. In seinen Arbeiten untersucht er, wie Darstellungen, Bilder und Oberflächen gesellschaftliche Wirklichkeiten formen– und wie sich in ihnen Fragen von Identität, Besitz und Status einschreiben.

Architekturfragmente, Alltagsmaterialien und Motive aus Konsum- und Statuskulturen tauchen in unterschiedlichen Medien wieder auf und verschränken sich zu komplexen Bild- und Bedeutungsräumen. Cullen interessiert sich dabei besonders für die visuellen Codes westlicher Konsum- und Leistungsgesellschaften: für Fetischisierung, Wettbewerb, Selbstinszenierung und die symbolische Aufladung von Objekten.

Indem er solche Motive in Malerei und räumliche Installationen überführt, reflektiert Cullen zugleich die Mechanismen der Bildproduktion, an denen auch die Bildende Kunst beteiligt ist. Seine Arbeiten bleiben bewusst offen in ihrer Lesart und erzeugen eine Atmosphäre, in der sich die Spannungen und Widersprüche einer Gesellschaft zeigen, die zwischen Konsumversprechen, Anerkennungsdruck und selbstzerstörerischen Dynamiken oszilliert.

Prateek Vijan: Strukturen von Zugang und Ausschluss

Prateek Vijan (*1991 in Neu-Delhi, lebt in Berlin) beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Fragen von Zugang, Teilhabe und institutioneller Macht. Ausgehend von Recherchen zu kolonialen Sammlungen und musealen Strukturen untersucht er, wie historische Machtverhältnisse bis heute in der Gesellschaft fortwirken und sich in räumlichen, bürokratischen und symbolischen Barrieren manifestieren.

Seine Installationen übersetzen diese oft abstrakten Strukturen in konkrete räumliche Erfahrungen. Durch gezielte Eingriffe in Architektur und Wegeführung macht Vijan sichtbar, wie Zugänge reguliert, Wissen kontrolliert und bestimmte Perspektiven privilegiert werden, während andere ausgeschlossen bleiben.

Ein zentraler Bezugspunkt seiner Arbeit ist der Umgang mit kolonialem Raubgut und die Frage nach Besitz, Rückgabe und historischer Verantwortung. Mithilfe von Recherche, spekulativen Szenarien und architektonischen Modellen reflektiert Vijan Möglichkeiten, bestehende Systeme zu hinterfragen oder zu unterlaufen – und eröffnet damit neue Perspektiven auf die Macht von Institutionen und die politischen Dimensionen von Objekten.

Die drei künstlerischen Positionen zeigen, wie Darstellungen – in Bildern, Räumen, Klängen und Zeichen – gesellschaftliche Wirklichkeiten formen. Ryan Cullen, Nazanin Noori und Prateek Vijan untersuchen auf unterschiedliche Weise die Systeme, durch die Hierarchien, Identität, Spiritualität oder Besitzverhältnisse sichtbar und wirksam werden – sei es in den Bildwelten der Konsumgesellschaft, in religiösen Traditionen oder in institutionellen Strukturen.

Dabei erweitern alle drei ars viva-Preisträger*innen 2026 den Begriff der Darstellung über das rein Bildliche hinaus. Durch Installationen, Klang, Architektur und räumliche Inszenierungen entstehen Erfahrungsräume, in denen gesellschaftliche Zusammenhänge nicht nur sichtbar, sondern auch körperlich und situativ erfahrbar werden. Gemeinsam eröffnen die Arbeiten so eine kritische Perspektive auf die Mechanismen, durch die Macht, etablierte Normen und gesellschaftliche Ordnungen aufrechterhalten werden.

Den ars viva-Preis für Bildende Kunst vergibt der Kulturkreis jährlich seit 1953 an herausragende junge, in Deutschland lebende Künstler*innen unter 35 Jahren. Das Marta Herford ist die erste zweier Ausstellungsstationen. Im Winter folgt die Präsentation im Kunstverein Braunschweig (5. 12. 2026 – 21. 2. 2027).

In Kooperation mit dem Kulturkreis der deutschen Wirtschaft

Gefördert durch die Péter Horváth Stiftung

Über den ars viva-Preis

Seit 1953 vergibt der Kulturkreis jährlich den ars viva-Preis für bildende Kunst an herausragende junge, in Deutschland lebende Künstler*innen unter 35 Jahren. Seither wurden über 350 Künstler*innen ausgezeichnet, darunter Rosemarie Trockel, Candida Höfer, Wolfgang Tillmans, Omer Fast, Cemile Sahin und Sung Tieu. Im Fokus der Jury stehen künstlerische Positionen, die eine eigenständige Formensprache entwickeln und gesellschaftliche wie kulturelle Fragestellungen reflektieren. Der ars viva-Preis wird von der Péter Horváth Stiftung gefördert. Weitere Informationen unter arsviva.kulturkreis.eu

Über den Kulturkreis der deutschen Wirtschaft

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft wurde 1951 gegründet und ist die traditionsreichste Institution für unternehmerische Kulturförderung in Deutschland. Als unabhängiges Netzwerk engagierter Unternehmen setzt er sich für Kunstfreiheit als zentrale Säule der Demokratie ein. Im Zentrum seiner Arbeit steht seit über 70 Jahren die Förderung von Nachwuchstalenten in den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Literatur und Musik. Dank Mitgliedsbeiträgen und Spenden konnte der Kulturkreis bereits zahlreiche Kunstschaffende zu Beginn ihrer Karriere unterstützen, darunter herausragende Persönlichkeiten wie Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Georg Baselitz, Sabine Meyer, Katharina Sieverding, Tabea Zimmermann, Rosemarie Trockel, Candida Höfer, Robert Menasse und Thomas Demand. Weitere Informationen unter kulturkreis.eu

Katalog

Der Katalog zum ars viva 2026 erschien im DISTANZ Verlag, herausgegeben von Min-young Jeon, Kulturkreis der deutschen Wirtschaft, und ist auch im Marta-Shop erhältlich. Das zweisprachige Buch (Deutsch/Englisch) präsentiert die Arbeiten der drei Preisträger*innen Ryan Cullen, Nazanin Noori und Prateek Vijan. Ergänzt wird es durch Texte von Nikita Dhawan, Bitsy Knox, Nora O’Murchú und Skye Arundhati Thomas. Gestaltung: Berliner Studio Shortnotice. Weitere Informationen zum Katalog unter ars viva 2026

Termine

Fr 13. 3. 2026, 19 Uhr, Eröffnung im Marta-Forum

Mit Grußworten von Marta-Direktorin Kathleen Rahn, Dr. Daniel Teubner (1. stellvertretender Bürgermeister der Hansestadt Herford) und Ulrich Sauerwein (Vorsitzender Gremium Bildende Kunst, Kulturkreis der deutschen Wirtschaft). Friederike Korfmacher, Assistenzkuratorin Marta Herford, gibt eine Einführung in die Themen der Ausstellung. Die Lippold-Galerie ist ab 18 Uhr geöffnet. Von 18-21 Uhr stehen die Marta-Kunstsprecher*innen in den Ausstellungsräumen für Fragen und Austausch bereit. Der Eintritt ist ab 18 Uhr frei. Das Marta Café bietet bis in den Abend hinein leckere Speisen und Getränke.

Sa 14. 3. 2026, 12 Uhr, Artist Talk

mit Ryan Cullen, Nazanin Noori, Prateek Vijan und Min-young Jeon (Kulturkreis der deutschen Wirtschaft). Moderiert wird das Gespräch von Friederike Korfmacher, Assistenzkuratorin Marta Herford.

So 25. 5., 14 Uhr, Letzte Blicke

Zur Finissage richtet Marta-Direktorin Kathleen Rahn in einem einstündigen Rundgang einen persönlichen Blick auf die Ausstellung.

Öffentliche Führungen durch die Ausstellungen

Jeden Mittwoch um 18 Uhr (Öffnungszeit des Museums mittwochs bis 20 Uhr) sowie samstags und an Sonn- und Feiertagen jeweils um 15 Uhr
Ticket 3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt, ohne Anmeldung, Tickets online oder an der Museumskasse

Architekturführungen

Jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 15 Uhr
Ticket 3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt, ohne Anmeldung, Tickets online oder an der Museumskasse

Workshops für Unternehmen und Privatgruppen

Ob Geburtstag oder Teambildung: es gibt viele Anlässe für einen Workshop im Marta-Atelier. Inspiriert von der Ausstellung werden selbst künstlerische Herangehensweisen und Techniken erprobt. Termine nach Absprache

Hier können Sie die Pressemitteilung über den Download-Button herunterladen.
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Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundgespräche und Interviewmöglichkeiten.
Für diese – und alle weiteren – Informationen stehen wir Ihnen unter der Telefonnummer
+49 (0)5221 99 44 30-27 bzw. per E-Mail an presse@marta-herford.de zur Verfügung.

Soziale Medien
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Bei weiteren Fragen freuen wir uns, wenn Sie sich melden.

Kontakt

Jana Mareike Lehnert
+49 (0)5221 994 430-27
presse@marta-herford.de

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Ausstellungen & Begleitprogramm

Allgemeine Presseinformation

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Architektur Marta Herford

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Begleitprogramm

11.30 18.00
Veranstaltung

Begleitend zur Ausstellung Mindset Los Angeles wird jeden Sonntag ein ausgewähltes Filmprogramm bei freiem Eintritt im Marta-Forum präsentiert (an einzelnen Sonntagen an einem alternativem Ort).

 

1. Programmblock (28. 6.–27. 9. 2026)

11.30–12.18 Uhr: Gehry’s Vertigo (48 Min.)

12.30–13.25 Uhr: Large Scale Projects: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen (55 Min.)

13.30–14.52 Uhr: Sketches of Frank Gehry (82 Min.)

15–17.51 Uhr: Los Angeles Plays Itself  (171 Min.)

 

Der erste Teil des Filmprogramms versammelt vier Filme, die sich Frank Gehrys Architektur und ihrem Bezug zur Kunst aus unterschiedlichen Richtungen nähern. Darüber hinaus wird die Stadt Los Angeles in den Blick genommen. Gehry’s Vertigo zeigt das Guggenheim-Museum in Bilbao aus der Perspektive der abgeseilt arbeitenden Reinigungskräfte und bringt  seine geschwungenen Flächen schwindelerregend nahe. Large Scale Projects zeigt Gehrys Zusammenarbeit mit dem Künstler*innenpaar Claes Oldenburg und Coosje  Van Bruggen, aus der Werke hervorgehen, die sich zwischen Skulptur, Objekt und Architektur bewegen.

In Sketches of Frank Gehry zeichnet Sydney Pollack ein persönliches Porträt und wendet sich dem Architekten selbst zu: seiner Person und seinem Arbeitsprozess, von der ersten raschen Skizze über Modelle bis zum fertigen Gebäude. Los Angeles Plays Itself richtet den Blick schließlich auf die Stadt und fragt, wie deren moderne Architektur im Kino gelesen und immer wieder umgedeutet wird. Das Programm verbindet so das einzelne Bauwerk, den Entwurfsprozess, die Nähe zur Kunst und die Stadt als Bild; jenes Los Angeles, aus dem Frank Gehry und die Cool School hervor­gingen und welches sie ihrerseits mitprägten.

 

11.30–12.18 Uhr:
Gehry’s Vertigo (Gehrys Höhenschwindel)
Regie: Ila Bêka & Louise Lemoine · 2011 · 48 Min. · Spanisch (engl. Untertitel) · Bêka & Lemoine

Der Film erschließt das Guggenheim-Museum in Bilbao aus ungewohnter Perspek­tive: aus dem Blickwinkel der Reinigungskräfte, die den 1997 von Frank Gehry errich­te­ten Bau am Seil hängend reinigen und instand halten. Die Kamera folgt ihnen im Inneren des Museums wie auch außen; an der titanverkleide­ten Fassade und auf dem Dach ebenso wie im hohen, gläsernen Atrium. Die für Gehry charakteristischen geschwunge­nen, schräg geneigten Flächen machen die Arbeit in oft schwindel­erre­gen­der Höhe zur Herausforde­rung. Darauf spielt auch der Titel an: Vertigo bedeutet Schwindel. Ein Teil der Kameras ist an den Helmen der Arbeitenden befestigt, sodass man Dach und Atrium aus ihrer subjektiven Perspektive erlebt; die mitunter wacke­ligen Bilder verleihen dem Film eine unmittelbare, authentische Wirkung.

Auf eine erklärende Erzählstimme wird verzichtet; zu hören sind Äuße­run­gen der Arbeitenden selbst. Daneben beobachtet der Film das alltägliche Geschehen im Museum, etwa eine Hochzeitsgesellschaft beim Fotografieren, und begleitet einen Jungen, der die Räume durchstreift. So wird das Bauwerk von innen wie außen erfahrbar, durch die Augen derer, die ihm täglich am nächsten kommen.

 

12.30–13.25 Uhr:
Large Scale Projects: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen (Großprojekte: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen)
Regie: Lana Jokel & Nicholas Doob · 1992 · 55 Min. · Englisch · Filmmakers Library / Alexander Street

Der Film porträtiert die künstlerische Zusammenarbeit von Claes Oldenburg (1929–2022) und Coosje Van Bruggen (1942–2009), die über drei Jahrzehnte hinweg gemein­sam monumentale Skulpturen für den öffentlichen Raum schufen. Die gebürtige Niederländerin Van Bruggen kam aus dem kuratorisch-kunsthistorischen Feld und war Kuratorin am Stedelijk Museum in Amsterdam; der in Schweden geborene Oldenburg war ein amerikani­scher Bildhauer, der sich mit Alltagsobjekten und der Konsumwelt auseinandersetzte und neben Andy Warhol zu den Ikonen der Pop Art zu zählen ist. Bekannt wurde er für die vergrößerte Darstellung alltäglicher Gegenstände ins Monumentale, wodurch vertraute Objekte zu raumgreifenden Formen verfremdet wurden.

Der Film begleitet mehrere ihrer Projekte von der ersten Idee bis zur Aufstellung, darunter Spoonbridge and Cherry (Löffel­brücke und Kirsche, 1988) in Minneapolis und Dropped Bowl with Scattered Slices and Peels (Heruntergefallene Schüssel mit ver­streuten Scheiben und Schalen, 1989) in Miami. Mehrfach arbeiteten die beiden mit dem Architekten Frank Gehry zusammen, woraus unter anderem das Knife Ship (Messerschiff) hervorging: ein überdimensio­nales Schweizer Taschenmesser, das zugleich ein fahrtüchtiges Schiff war. Für die Biennale in Venedig konzipiert, wurde es 1985 für die Performance Il Corso del Coltello realisiert. Im Film ist es im New Yorker Guggenheim Museum zu sehen.

Auch das Binocular Building (Fernglas-Gebäude, 1991) in Venice, Kalifornien, entstand in Zusammenarbeit mit Gehry. Dort ist die Skulptur unmittelbar in den Bau integriert: Ein monumentales Fernglas bildet den Eingang; zwischen seinen beiden Röhren fahren Autos wie durch ein Tor in die Tiefgarage. In den Röhren liegen Besprechungsräume; und was von außen die Okulare des Fernglases sind, wird hier von innen zum Oberlicht: zwei runde Öffnungen, durch die das Tageslicht herabfällt.

 

13.30–14.52 Uhr:
Sketches of Frank Gehry (Skizzen von Frank Gehry)
Regie: Sydney Pollack · 2006 · 82 Min. · Englisch (mit dt. Untertiteln) · Sony Pictures Classics (PBS American Masters)

Von dem renommierten Hollywood-Regisseur Sydney Pollack stammen Spielfilme wie Tootsie und Out of Africa (Jenseits von Afrika), ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Oscar und Golden Globe. Sketches of Frank Gehry ist seine einzige Dokumen­tation. Der Film ist als persönliches Gespräch zweier langjähriger Freunde angelegt, in dem Pollack selbst in Erscheinung tritt. Sein Interesse gilt dabei neben den Gebäuden vor allem dem Menschen Frank Gehry, den er als ausgesprochen selbstkritische Figur zeichnet. Den Ausgangspunkt bilden Gehrys rasche Skizzen, die am Beginn jedes Entwurfs stehen und dem Film seinen Titel geben. Mehrere seiner Bauten werden thematisiert: wie das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die DZ Bank (ehemals DG Bank) in Berlin.

Zahlreiche Stimmen kommen hinzu, darunter die Künstler Ed Ruscha und Dennis Hopper sowie der Architekt Philip Johnson. Als Gegenstimme tritt der Kunstkritiker   Hal Foster auf, der Gehrys Werk skeptisch gegenübersteht. 2006 wurde der Film beim Filmfestival in Cannes gezeigt.

  

15–17.51 Uhr:
Los Angeles Plays Itself (Los Angeles spielt sich selbst)
Regie: Thom Andersen · 2003 · 171 Min. · Englisch · The Cinema Guild

Los Angeles ist die Stadt, aus der Frank Gehry und die Cool School hervorgingen, geprägt von modernistischer Architektur, ihren Straßenräumen und ihrer spezifi­schen Atmosphäre. Dieser Essayfilm geht der Frage nach, wie eben diese Stadt im Kino bzw. im Film dargestellt wird. Dafür montierte Thom Andersen über 200 Ausschnitte aus bekannten und weniger bekannten Spielfilmen aus annähernd hundert Jahren Filmgeschichte.

Er ordnete sie drei Rollen zu, die Los Angeles im Film spielt, von der beiläufigsten bis zur tragenden: zunächst die der bloßen Kulisse, vor der die Handlung abläuft; dann als eigenständige Figur, die das Geschehen mitprägt; und schließlich die des eigentlichen Themas, von dem der Film selbst handelt. Andersen stellt die These auf, dass das von Hollywood entworfene Bild das tatsächliche Los Angeles überlagern würde. So legt er etwa offen, wie in Filmen die moderne Architektur der Stadt wiederkehrend zu „Villen von Bösewichten“ umgedeutet werden, wie ganze Stadtviertel hinter dieser Projektion verschwinden, wie Los Angeles als Schauplatz für gänzlich andere Orte dient und wie die berüchtigten Auto-Verfolgungsjagden ein verzerrtes Bild zeichnen.

Den Kommentar verfasst Andersen selbst, in der Ich-Form; gesprochen wird er von seinem Freund Encke King. 2003 erhält der Film beim Filmfestival im kanadischen Vancouver den Preis für den besten Dokumentarfilm.

 

2. Programmblock ( 4.10. 2026–10. 1. 2027)

12–13.22 Uhr: Sketches of Frank Gehry (82 Min.)

13.30–13.57 Uhr: Edward Kienholz: The Story of an Artist (27 Min.) 

14–14.58 Uhr: Frank Gehry: The Formative Years (58 Min.)

15–15.57 Uhr: Artbound: Light & Space (57 Min.)

 

Der zweite Teil des Filmprogramms rückt das Umfeld, aus dem Gehry kam, weiter in den Blick: die Kunstszene von Los Angeles und die sogenannte Cool School. Sketches of Frank Gehry ist auch bei dieser Auswahl der Dreh- und Angelpunkt und zeichnet den Architekten als ausgesprochen selbstkritische Figur, die sich der Welt der Kunst oft näher fühlte als dem eigenen Berufsstand. Ed Kienholz: Story of an Artist führt zum Ausgangspunkt dieser Szene, zur Ferus Gallery, die Kienholz 1957 mitbegründete und die zum Treffpunkt der Cool School wurde.

Frank Gehry: The Formative Years zeigt, wie eng Gehry mit Künstler*innen dieser Szene verbunden war, und erinnert daran, dass er für sein Wohnhaus in Santa Monica gerade jene alltäglichen Industrie­materia­lien verwendete, die damals als architektur­unwürdig galten. Light and Space stellt schließlich die kalifornische Kunstrichtung um Robert Irwin, Larry Bell und Helen Pashgian vor, die durch die Erforschung von unkonventionellen Materialien und dem kalifornischen Licht die Sinneserfahrung selbst zum Thema machte. Ihre Werke berühren Fragen, die auch für Gehrys Schaffen von Bedeutung sind.

So öffnet die Auswahl eine bestimmte Perspektive: Gehrys Architektur erscheint als eigenständige Größe des Bauens, eng verwoben mit einer Szene, die Wahrnehmung erprobte, Disziplingrenzen überschritt und das vermeintlich Geringe zum Material erhob.

 

12–13.22 Uhr:
Sketches of Frank Gehry (Skizzen von Frank Gehry)
Regie: Sydney Pollack · 2006 · 82 Min. · Englisch (mit dt. Untertiteln) · Sony Pictures Classics (PBS American Masters)

Von dem renommierten Hollywood-Regisseur Sydney Pollack stammen Spielfilme wie Tootsie und Out of Africa (Jenseits von Afrika), ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Oscar und Golden Globe. Sketches of Frank Gehry ist seine einzige Dokumen­tation. Der Film ist als persönliches Gespräch zweier langjähriger Freunde angelegt, in dem Pollack selbst in Erscheinung tritt. Sein Interesse gilt dabei neben den Gebäuden vor allem dem Menschen Frank Gehry, den er als ausgesprochen selbstkritische Figur zeichnet. Den Ausgangspunkt bilden Gehrys rasche Skizzen, die am Beginn jedes Entwurfs stehen und dem Film seinen Titel geben. Mehrere seiner Bauten werden thematisiert: wie das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die DZ Bank (ehemals DG Bank) in Berlin.

Zahlreiche weitere Stimmen kommen hinzu, darunter die Künstler Ed Ruscha und Dennis Hopper sowie der Architekt Philip Johnson. Als Gegenstimme tritt der Kunst­kritiker Hal Foster auf, der Gehrys Werk skeptisch gegenübersteht. 2006 wurde der Film beim Filmfestival in Cannes gezeigt.

  

13.30–13.57 Uhr:
Ed Kienholz: Story of an Artist (Ed Kienholz: Geschichte eines Künstlers)
Regie: William Kronick · 1961 · 27 Min. · Englisch · Wolper Productions (Warner Bros. / Filmbank)

Der Film begleitet den jungen Ed Kienholz (1927–1994) dabei, wie er seine erste Einzel­aus­stellung in der Ferus Gallery in Los Angeles vorbereitete. Diese von ihm und Walter Hopps 1957 gegründete Galerie wurde zum zentralen Treffpunkt und Ort des Austausches der lokalen Künstler*innenszene, der sogenannten Cool School. Kienholz galt als umstrittener Künstler; er verhandelte gesellschaftliche Tabus und Missstände in damals als drastisch empfundenen Bildern. Er ist ein wichtiger Vertreter der Assemblage, einer Technik, bei der Werke aus Alltagsdingen und Fundstücken zusammengesetzt werden. Der Film zeigt vor allem Kienholz bei der Arbeit und mündet schließlich in die dicht gedrängte Eröffnung und die nachfolgende ausgelassene Feier in der Bar Barney’s Beanery. Diese war ebenfalls ein wichtiger Treffpunkt von Künstler*innen und Musiker*innen. Kienholz bildete die Bar später in seiner berühmten begehbaren Skulptur The Beanery (1965) nach.

Entstanden ist der Film 1961 in Los Angeles unter der Regie von William Kronick, als Fernsehproduktion für David L. Wolper, mit einer Titelmusik von Elmer Bernstein; durch die Sendung führt John Willis.

 

 14–14.58 Uhr:
Frank Gehry: The Formative Years (Frank Gehry: Die prägenden Jahre)
Regie: Michael Blackwood · 1988 · 58 Min. · Englisch · Michael Blackwood Productions

Der Film widmet sich den frühen Jahren Frank Gehrys in Los Angeles, kommentiert vom Architekten selbst. Im Zentrum steht sein eigenes Wohnhaus in Santa Monica: ein zunächst gewöhnliches Haus im holländisch-kolonialen Stil aus den 1920er-Jahren. Gehry erweiterte dieses 1978, indem er es mit alltäglichen Industriematerialien um­mantelte, mit Maschendraht, Wellblech und Sperrholz. Solche Materialien galten damals als minderwertig und nicht als architekturwürdige Baustoffe. Mit diesem Umbau setzt Gehry diese gerade deshalb und in völlig neuer Weise ein. Das Haus sorgt so für Aufsehen: bei den Nachbarn für Empörung, in der Fachwelt für Beachtung, die Gehrys Ruf begründet.

Der Film zeigt zudem weitere frühe Bauten im Großraum Los Angeles, das Norton House, die Loyola Law School und das Aerospace Museum, und damit Gehrys Weg vom privaten Wohnhaus zum großen öffentlichen Gebäude. Zu Wort kommen Künstler aus seinem Umfeld in Los Angeles: Billy Al Bengston, Ron Davis und Ed Moses, die Architekturhistoriker Kenneth Frampton und Kurt Forster, sein Psychoanalytiker Milton Wexler sowie seine Mutter Thelma Gehry.

 

15–15.57 Uhr:
Artbound: Light and Space (Richtung Kunst: Licht und Raum)
Regie: Sue Ding · 2020 · 57 Min. · Englisch · KCET / PBS SoCal (Artbound)

Im Mittelpunkt steht die Light and Space-Bewegung, eine in den 1960er-Jahren an der US-amerikanischen Westküste entstandene Kunstrichtung. Sie gilt als kalifornische Spielart des Minimalismus und ist eng mit dem hellen, beständigen Licht in Los Angeles verbunden. Der Film stellt drei zentrale Figuren der Bewegung vor: Robert Irwin, Larry Bell und Helen Pashgian, deren Werk die Kunsthistorikerin und Kuratorin Robin Clark bespricht. Sie arbeiteten mit künstlichem wie ebenso mit natürlichem Licht, das sich im Tagesverlauf verändert. Es wurde als bedeutender Bestandteil der Werke gesehen. Ihre Materialien stammten zum Teil aus der nach dem Zweiten Weltkrieg florierenden Auto- und Luftfahrtindustrie. Im Kern sind diese Arbeiten phänomenologische Untersuchungen; das Objekt ist dabei ein Vehikel, das den Akt des Sehens selbst erfahrbar macht.

Die von Sue Ding gedrehte Folge eröffnete 2020 die elfte Staffel der Reihe Artbound und wurde mit einem Los Angeles Area Emmy ausgezeichnet.

  

Programm + Texte: Marcus Herse, Künstler, Kurator und Wissenschaftler

14.00 16.30
Workshop

Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat bietet das Marta Herford ein offenes Mitmach-Angebot für Familien an.

Ob vor, nach oder während eines Ausstellungsbesuchs: Das offene Atelier in der Marta-Lobby lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, gemeinsam aktiv zu werden und verschiedene künstlerische Sprachen kennenzulernen.

Die Termine am 1. 3. und 19. 4. widmen sich dem Thema kreativ Natur entdecken.

 

Dauer
14 bis 16.30 Uhr

Ort
Marta-Lobby

Kosten
kostenfrei

Anmeldung
ohne Anmeldung, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

14.00 15.00
Führung

An der Seite einer*s Kunstvermittler*in erleben Sie die einzigartige Gehry-Architektur des Museums. Während des einstündigen Rundgangs bekommen Sie Informationen rund um das Marta als Bauwerk und haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Ticket
3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt

Anmeldung
ohne Anmeldung, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

15.00 16.00
Führung

In einer einstündigen Führung mit unseren freien Kunstvermittler*innen durch die aktuellen Ausstellungen bekommen Sie Informationen zu den ausstellenden Künstler*innen und ihren Werken und haben die Möglichkeit, Fragen an die Kunst zu stellen.

Ticket
3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt

Anmeldung
ohne Anmeldung

Ausstellungen