Presseinformation

Tiemann-Preis für zeitgenössische Malerei

Fr 14. 11. 2025, 11 Uhr

Das Marta Herford ist Preisträger des diesjährigen Tiemann-Preises! Der mit 50.000 Euro dotierte Preis zum Ankauf zeitgenössischer Malerei wird in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Mit dem Tiemann-Preis wird dem Museum Marta ein Ankauf von Werken von Kerstin Brätsch ermöglicht. In einer eigens zu diesem Anlass entwickelten Wandinstallation werden sie gemeinsam mit weiteren Werken ab jetzt im Marta Café präsentiert. Hier tritt die Arbeit in einen Dialog mit der ikonischen Gehry-Architektur – und ist zugleich einem breiten Publikum zugänglich. Die feierliche Verleihung des Tiemann-Preises findet am 15. 11. 2025 um 18.30 Uhr statt.

Kerstin Brätschs Werk positioniert sich in einer zeitgemäßen Debatte um Autorenschaft, Postdigitalität und Zugänglichkeit von Kunst. Ihre Arbeitsweise ist geprägt von einer komplexen Befragung von Malerei. In ihren Werken löst sie traditionelle Hierarchien und Gattungsgrenzen auf, um das Medium Malerei systematisch zu analysieren und sich gleichzeitig malerischen Prozessen hinzugeben. Dabei transformiert sie ihre Werke in immer neuen Arbeitsprozessen. Die Einbindung digitaler Verfahren, traditioneller Handwerkstechniken und das Kollaborative spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Für den Tiemann-Preis ist eine ortsbezogene Installation im Marta Café mit seinen geschwungenen Wänden entstanden. Die Basis für die Installation bildet eine Tapete aus der Serie MƎTA Rorschach (2024). Die Tapeten basieren auf den kleinformatigen Ölmalereien der Serie MƎTA. Das Motiv wurde nach dem Rorschach-Prinzip gespiegelt und als Datei für den Tapetendruck zur Verfügung gestellt. Hierauf wurden insgesamt fünf Werke platziert: Zu sehen sind drei Papierarbeiten der Serie MƎTA, die in den für Kerstin Brätsch typischen Rahmungen weitere Ebenen von Malerei, Ornamentik, Rapport und Rythmik eröffnen. Die zwei reliefartigen Arbeiten aus der Serie Fossil Psychic_for Christa (Stucco Marmo) (2020) sind wie die Tapete Teil des Ankaufs durch den Tiemann-Preis.

Die Stucco Marmos, welche in Kollaboration mit dem Kunsthandwerker Walter Cipriani entstehen, beruhen auf der gleichnamigen italienischen Handwerkskunst des 17. Jhds. Zunächst wie digitale, dreidimensionale Pinselstriche anmutend, entstehen die Werke ausschließlich analog aus Gips, Pigment und Leim in einer aufwendigen Prozedur, die eine Optik von Marmor oder anderen Steinen imitiert. Das Bild des Steins als Träger von Zeit- und Umweltinformationen befragt somit auch die Flüchtigkeit und Manipulationsmöglichkeiten von digitalen Bildern. Für Brätsch gleicht die Entstehung alchemistischen Prozessen. Das Ergebnis zeigt Ähnlichkeiten zu Fossilien, mystischen Kreaturen oder spirituellen Verkörperungen.

Neben der Stiftung des Tiemann-Preises konnten drei weitere Arbeiten der Künstlerin für die Sammlung Marta angekauft werden, die ebenfalls in der Präsentation zu sehen sind. Zudem wird im kommenden Jahr im Rahmen des Marta-Preis 2026 für Kerstin Brätsch ein weiteres Werk in die Sammlung eingehen. Mit dem Ankauf der Werke von Kerstin Brätsch setzt die Sammlung Marta Herford ein markantes Zeichen für die strategische Erweiterung weiblicher künstlerischer Positionen und ihres interdisziplinären Profils.

Geprägt durch die Ausrichtung des Museums Marta Herford an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und Design, liegt ein Fokus seiner Sammlung an der Verbindung von Kunst und Raum – nicht zuletzt beeinflusst durch die außergewöhnliche Architektur des Museums, entworfen von Frank Gehry. Die Aufnahme der Werkgruppe knüpft zudem an die thematische Ausstellung „Zwischen Pixel und Pigment – Hybride Malerei in postdigitalen Zeiten“ (Gemeinschaftsausstellung mit der Kunsthalle Bielefeld, 7. 7. – 10. 11. 2024) an, in der einige Werke der Künstlerin sowie auch ihre Zusammenarbeit in Form des Kollektivs KAYA (gemeinsam mit Debo Eilers) zu sehen waren. Mit dem besonderen Ort der Präsentation im Marta Café setzt die Künstlerin ihre Reihe von Café-Gestaltungen fort, die sie bereits für das MoMA New York oder die Luma Foundation in Arles realisiert hat. Aktuell sind künstlerisch gestaltete Räume der Begegnung mit dem Spielort für Kinder BAUBAU im Gropius Bau in Berlin sowie in dem von Kerstin Brätsch umgestalteten Foyer des Fridericianums in Kassel zu sehen.

Kerstin Brätsch (*1979 in Hamburg, lebt in Berlin und New York) zählt zu den prägenden Stimmen zeitgenössischer Malerei. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Bildtradition, Materialforschung und kollektiven Arbeitsformen. Brätsch studierte an der UdK Berlin als Meisterschülerin von Lothar Baumgarten und der Columbia University New York. Seit dem Wintersemester 2024/25 ist sie Professorin an der HFBK Hamburg. Brätsch arbeitet u.a. kollaborativ als Teil von DAS INSTITUT (mit Adele Röder, seit 2007) und KAYA (mit Debo Eilers, seit 2010). Ihre Werke waren u. a. im MoMA (New York), in der Serpentine Gallery (London), im Munchmuseet (Oslo), Museum Brandhorst (München), Ludwigforum (Aachen), in der Kunsthalle Zürich sowie auf zwei Venedig-Biennalen (2011, 2022) zu sehen und sind in internationalen Sammlungen vertreten.

Tiemann-Preis

Die im Jahr 2018 von Ingeborg Tiemann und Dr. H. Jürgen Tiemann gegründete gemeinnützige Stiftung (www.tiemann-stiftung.de) fördert ausgewählte Vorhaben in den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung sowie Naturschutz, Denkmal- und Landschaftspflege durch wirtschaftliche Unterstützung, mit dem Ziel, langfristig im Sinne der Stifter positiv zu wirken. Zu den geförderten Projekten zählen unter anderem die Studienstiftung des deutschen Volkes im Bereich Bildung, die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten (Denkmalpflege) sowie die Baumschule für Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V. (Naturschutz und Landschaftspflege).

Mit dem begehrten Tiemann-Preis für zeitgenössische Malerei wird nunmehr zum dritten Mal eine Kunstinstitution mit 50.000 Euro beim Ankauf von Kunstwerken für die eigene Sammlung unterstützt. Vorherige Auszeichnungen gingen an das Museum Folkwang Essen mit dem Ankauf einer Werkgruppe des Malers Armin Boehm (2023) sowie an das Kunstmuseum Magdeburg – Kloster Unser Lieben Frauen, dem der Ankauf von Malereien der Künstlerin Özlem Altın (2024) ermöglicht wurde.

Die Auswahl des Museums trifft eine renommierte Fachjury, die in diesem Jahr aus Christiane Mennicke-Schwarz (Leiterin des Kunsthauses Dresden, Kunsthistorikerin und Kuratorin), Prof. Dr. Annette Tietenberg (Professorin für Kunstwissenschaft, HBK Braunschweig), Moritz Wesseler (Direktor, Fridericianum Kassel), Prof. Dr. Wolfgang Ullrich (Kunsthistoriker und Autor, Leipzig/München) und Marcus Woeller (Redakteur und Autor, WELT, Berlin) bestand. Vorjahrespreisträger waren im Jahr 2024 das Kunstmuseum Magdeburg Kloster Unser Lieben Frauen mit Werken von Özlem Altin sowie das Folkwang Museum, Essen, mit Werken von Armin Boehm (2023).

Die Installation ist zu den Öffnungszeiten des Marta-Cafés zugänglich:

Mittwoch bis Freitag 11-18 Uhr,

jeden 1. Mittwoch im Monat bis 20 Uhr

Samstag und Sonntag 10-18 Uhr

Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundgespräche und Interviewmöglichkeiten.
Für diese – und alle weiteren – Informationen stehen wir Ihnen unter der Telefonnummer
+49 (0) 5221-99 44 30-27 bzw. per E-Mail an presse@marta-herford.de zur Verfügung.

Bei weiteren Fragen freuen wir uns, wenn Sie sich melden.

Kontakt

Jana Mareike Lehnert
+49 (0)5221 994 430-27
presse@marta-herford.de

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Ausstellungen & Begleitprogramm

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Architektur Marta Herford

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Begleitprogramm

11.30 18.00
Veranstaltung

Begleitend zur Ausstellung Mindset Los Angeles wird jeden Sonntag ein ausgewähltes Filmprogramm bei freiem Eintritt im Marta-Forum präsentiert (an einzelnen Sonntagen an einem alternativem Ort).

 

1. Programmblock (28. 6.–27. 9. 2026)

11.30–12.18 Uhr: Gehry’s Vertigo (48 Min.)

12.30–13.25 Uhr: Large Scale Projects: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen (55 Min.)

13.30–14.52 Uhr: Sketches of Frank Gehry (82 Min.)

15–17.51 Uhr: Los Angeles Plays Itself  (171 Min.)

 

Der erste Teil des Filmprogramms versammelt vier Filme, die sich Frank Gehrys Architektur und ihrem Bezug zur Kunst aus unterschiedlichen Richtungen nähern. Darüber hinaus wird die Stadt Los Angeles in den Blick genommen. Gehry’s Vertigo zeigt das Guggenheim-Museum in Bilbao aus der Perspektive der abgeseilt arbeitenden Reinigungskräfte und bringt  seine geschwungenen Flächen schwindelerregend nahe. Large Scale Projects zeigt Gehrys Zusammenarbeit mit dem Künstler*innenpaar Claes Oldenburg und Coosje  Van Bruggen, aus der Werke hervorgehen, die sich zwischen Skulptur, Objekt und Architektur bewegen.

In Sketches of Frank Gehry zeichnet Sydney Pollack ein persönliches Porträt und wendet sich dem Architekten selbst zu: seiner Person und seinem Arbeitsprozess, von der ersten raschen Skizze über Modelle bis zum fertigen Gebäude. Los Angeles Plays Itself richtet den Blick schließlich auf die Stadt und fragt, wie deren moderne Architektur im Kino gelesen und immer wieder umgedeutet wird. Das Programm verbindet so das einzelne Bauwerk, den Entwurfsprozess, die Nähe zur Kunst und die Stadt als Bild; jenes Los Angeles, aus dem Frank Gehry und die Cool School hervor­gingen und welches sie ihrerseits mitprägten.

 

11.30–12.18 Uhr:
Gehry’s Vertigo (Gehrys Höhenschwindel)
Regie: Ila Bêka & Louise Lemoine · 2011 · 48 Min. · Spanisch (engl. Untertitel) · Bêka & Lemoine

Der Film erschließt das Guggenheim-Museum in Bilbao aus ungewohnter Perspek­tive: aus dem Blickwinkel der Reinigungskräfte, die den 1997 von Frank Gehry errich­te­ten Bau am Seil hängend reinigen und instand halten. Die Kamera folgt ihnen im Inneren des Museums wie auch außen; an der titanverkleide­ten Fassade und auf dem Dach ebenso wie im hohen, gläsernen Atrium. Die für Gehry charakteristischen geschwunge­nen, schräg geneigten Flächen machen die Arbeit in oft schwindel­erre­gen­der Höhe zur Herausforde­rung. Darauf spielt auch der Titel an: Vertigo bedeutet Schwindel. Ein Teil der Kameras ist an den Helmen der Arbeitenden befestigt, sodass man Dach und Atrium aus ihrer subjektiven Perspektive erlebt; die mitunter wacke­ligen Bilder verleihen dem Film eine unmittelbare, authentische Wirkung.

Auf eine erklärende Erzählstimme wird verzichtet; zu hören sind Äuße­run­gen der Arbeitenden selbst. Daneben beobachtet der Film das alltägliche Geschehen im Museum, etwa eine Hochzeitsgesellschaft beim Fotografieren, und begleitet einen Jungen, der die Räume durchstreift. So wird das Bauwerk von innen wie außen erfahrbar, durch die Augen derer, die ihm täglich am nächsten kommen.

 

12.30–13.25 Uhr:
Large Scale Projects: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen (Großprojekte: Claes Oldenburg / Coosje Van Bruggen)
Regie: Lana Jokel & Nicholas Doob · 1992 · 55 Min. · Englisch · Filmmakers Library / Alexander Street

Der Film porträtiert die künstlerische Zusammenarbeit von Claes Oldenburg (1929–2022) und Coosje Van Bruggen (1942–2009), die über drei Jahrzehnte hinweg gemein­sam monumentale Skulpturen für den öffentlichen Raum schufen. Die gebürtige Niederländerin Van Bruggen kam aus dem kuratorisch-kunsthistorischen Feld und war Kuratorin am Stedelijk Museum in Amsterdam; der in Schweden geborene Oldenburg war ein amerikani­scher Bildhauer, der sich mit Alltagsobjekten und der Konsumwelt auseinandersetzte und neben Andy Warhol zu den Ikonen der Pop Art zu zählen ist. Bekannt wurde er für die vergrößerte Darstellung alltäglicher Gegenstände ins Monumentale, wodurch vertraute Objekte zu raumgreifenden Formen verfremdet wurden.

Der Film begleitet mehrere ihrer Projekte von der ersten Idee bis zur Aufstellung, darunter Spoonbridge and Cherry (Löffel­brücke und Kirsche, 1988) in Minneapolis und Dropped Bowl with Scattered Slices and Peels (Heruntergefallene Schüssel mit ver­streuten Scheiben und Schalen, 1989) in Miami. Mehrfach arbeiteten die beiden mit dem Architekten Frank Gehry zusammen, woraus unter anderem das Knife Ship (Messerschiff) hervorging: ein überdimensio­nales Schweizer Taschenmesser, das zugleich ein fahrtüchtiges Schiff war. Für die Biennale in Venedig konzipiert, wurde es 1985 für die Performance Il Corso del Coltello realisiert. Im Film ist es im New Yorker Guggenheim Museum zu sehen.

Auch das Binocular Building (Fernglas-Gebäude, 1991) in Venice, Kalifornien, entstand in Zusammenarbeit mit Gehry. Dort ist die Skulptur unmittelbar in den Bau integriert: Ein monumentales Fernglas bildet den Eingang; zwischen seinen beiden Röhren fahren Autos wie durch ein Tor in die Tiefgarage. In den Röhren liegen Besprechungsräume; und was von außen die Okulare des Fernglases sind, wird hier von innen zum Oberlicht: zwei runde Öffnungen, durch die das Tageslicht herabfällt.

 

13.30–14.52 Uhr:
Sketches of Frank Gehry (Skizzen von Frank Gehry)
Regie: Sydney Pollack · 2006 · 82 Min. · Englisch (mit dt. Untertiteln) · Sony Pictures Classics (PBS American Masters)

Von dem renommierten Hollywood-Regisseur Sydney Pollack stammen Spielfilme wie Tootsie und Out of Africa (Jenseits von Afrika), ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Oscar und Golden Globe. Sketches of Frank Gehry ist seine einzige Dokumen­tation. Der Film ist als persönliches Gespräch zweier langjähriger Freunde angelegt, in dem Pollack selbst in Erscheinung tritt. Sein Interesse gilt dabei neben den Gebäuden vor allem dem Menschen Frank Gehry, den er als ausgesprochen selbstkritische Figur zeichnet. Den Ausgangspunkt bilden Gehrys rasche Skizzen, die am Beginn jedes Entwurfs stehen und dem Film seinen Titel geben. Mehrere seiner Bauten werden thematisiert: wie das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die DZ Bank (ehemals DG Bank) in Berlin.

Zahlreiche Stimmen kommen hinzu, darunter die Künstler Ed Ruscha und Dennis Hopper sowie der Architekt Philip Johnson. Als Gegenstimme tritt der Kunstkritiker   Hal Foster auf, der Gehrys Werk skeptisch gegenübersteht. 2006 wurde der Film beim Filmfestival in Cannes gezeigt.

  

15–17.51 Uhr:
Los Angeles Plays Itself (Los Angeles spielt sich selbst)
Regie: Thom Andersen · 2003 · 171 Min. · Englisch · The Cinema Guild

Los Angeles ist die Stadt, aus der Frank Gehry und die Cool School hervorgingen, geprägt von modernistischer Architektur, ihren Straßenräumen und ihrer spezifi­schen Atmosphäre. Dieser Essayfilm geht der Frage nach, wie eben diese Stadt im Kino bzw. im Film dargestellt wird. Dafür montierte Thom Andersen über 200 Ausschnitte aus bekannten und weniger bekannten Spielfilmen aus annähernd hundert Jahren Filmgeschichte.

Er ordnete sie drei Rollen zu, die Los Angeles im Film spielt, von der beiläufigsten bis zur tragenden: zunächst die der bloßen Kulisse, vor der die Handlung abläuft; dann als eigenständige Figur, die das Geschehen mitprägt; und schließlich die des eigentlichen Themas, von dem der Film selbst handelt. Andersen stellt die These auf, dass das von Hollywood entworfene Bild das tatsächliche Los Angeles überlagern würde. So legt er etwa offen, wie in Filmen die moderne Architektur der Stadt wiederkehrend zu „Villen von Bösewichten“ umgedeutet werden, wie ganze Stadtviertel hinter dieser Projektion verschwinden, wie Los Angeles als Schauplatz für gänzlich andere Orte dient und wie die berüchtigten Auto-Verfolgungsjagden ein verzerrtes Bild zeichnen.

Den Kommentar verfasst Andersen selbst, in der Ich-Form; gesprochen wird er von seinem Freund Encke King. 2003 erhält der Film beim Filmfestival im kanadischen Vancouver den Preis für den besten Dokumentarfilm.

 

2. Programmblock ( 4.10. 2026–10. 1. 2027)

12–13.22 Uhr: Sketches of Frank Gehry (82 Min.)

13.30–13.57 Uhr: Edward Kienholz: The Story of an Artist (27 Min.) 

14–14.58 Uhr: Frank Gehry: The Formative Years (58 Min.)

15–15.57 Uhr: Artbound: Light & Space (57 Min.)

 

Der zweite Teil des Filmprogramms rückt das Umfeld, aus dem Gehry kam, weiter in den Blick: die Kunstszene von Los Angeles und die sogenannte Cool School. Sketches of Frank Gehry ist auch bei dieser Auswahl der Dreh- und Angelpunkt und zeichnet den Architekten als ausgesprochen selbstkritische Figur, die sich der Welt der Kunst oft näher fühlte als dem eigenen Berufsstand. Ed Kienholz: Story of an Artist führt zum Ausgangspunkt dieser Szene, zur Ferus Gallery, die Kienholz 1957 mitbegründete und die zum Treffpunkt der Cool School wurde.

Frank Gehry: The Formative Years zeigt, wie eng Gehry mit Künstler*innen dieser Szene verbunden war, und erinnert daran, dass er für sein Wohnhaus in Santa Monica gerade jene alltäglichen Industrie­materia­lien verwendete, die damals als architektur­unwürdig galten. Light and Space stellt schließlich die kalifornische Kunstrichtung um Robert Irwin, Larry Bell und Helen Pashgian vor, die durch die Erforschung von unkonventionellen Materialien und dem kalifornischen Licht die Sinneserfahrung selbst zum Thema machte. Ihre Werke berühren Fragen, die auch für Gehrys Schaffen von Bedeutung sind.

So öffnet die Auswahl eine bestimmte Perspektive: Gehrys Architektur erscheint als eigenständige Größe des Bauens, eng verwoben mit einer Szene, die Wahrnehmung erprobte, Disziplingrenzen überschritt und das vermeintlich Geringe zum Material erhob.

 

12–13.22 Uhr:
Sketches of Frank Gehry (Skizzen von Frank Gehry)
Regie: Sydney Pollack · 2006 · 82 Min. · Englisch (mit dt. Untertiteln) · Sony Pictures Classics (PBS American Masters)

Von dem renommierten Hollywood-Regisseur Sydney Pollack stammen Spielfilme wie Tootsie und Out of Africa (Jenseits von Afrika), ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Oscar und Golden Globe. Sketches of Frank Gehry ist seine einzige Dokumen­tation. Der Film ist als persönliches Gespräch zweier langjähriger Freunde angelegt, in dem Pollack selbst in Erscheinung tritt. Sein Interesse gilt dabei neben den Gebäuden vor allem dem Menschen Frank Gehry, den er als ausgesprochen selbstkritische Figur zeichnet. Den Ausgangspunkt bilden Gehrys rasche Skizzen, die am Beginn jedes Entwurfs stehen und dem Film seinen Titel geben. Mehrere seiner Bauten werden thematisiert: wie das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die DZ Bank (ehemals DG Bank) in Berlin.

Zahlreiche weitere Stimmen kommen hinzu, darunter die Künstler Ed Ruscha und Dennis Hopper sowie der Architekt Philip Johnson. Als Gegenstimme tritt der Kunst­kritiker Hal Foster auf, der Gehrys Werk skeptisch gegenübersteht. 2006 wurde der Film beim Filmfestival in Cannes gezeigt.

  

13.30–13.57 Uhr:
Ed Kienholz: Story of an Artist (Ed Kienholz: Geschichte eines Künstlers)
Regie: William Kronick · 1961 · 27 Min. · Englisch · Wolper Productions (Warner Bros. / Filmbank)

Der Film begleitet den jungen Ed Kienholz (1927–1994) dabei, wie er seine erste Einzel­aus­stellung in der Ferus Gallery in Los Angeles vorbereitete. Diese von ihm und Walter Hopps 1957 gegründete Galerie wurde zum zentralen Treffpunkt und Ort des Austausches der lokalen Künstler*innenszene, der sogenannten Cool School. Kienholz galt als umstrittener Künstler; er verhandelte gesellschaftliche Tabus und Missstände in damals als drastisch empfundenen Bildern. Er ist ein wichtiger Vertreter der Assemblage, einer Technik, bei der Werke aus Alltagsdingen und Fundstücken zusammengesetzt werden. Der Film zeigt vor allem Kienholz bei der Arbeit und mündet schließlich in die dicht gedrängte Eröffnung und die nachfolgende ausgelassene Feier in der Bar Barney’s Beanery. Diese war ebenfalls ein wichtiger Treffpunkt von Künstler*innen und Musiker*innen. Kienholz bildete die Bar später in seiner berühmten begehbaren Skulptur The Beanery (1965) nach.

Entstanden ist der Film 1961 in Los Angeles unter der Regie von William Kronick, als Fernsehproduktion für David L. Wolper, mit einer Titelmusik von Elmer Bernstein; durch die Sendung führt John Willis.

 

 14–14.58 Uhr:
Frank Gehry: The Formative Years (Frank Gehry: Die prägenden Jahre)
Regie: Michael Blackwood · 1988 · 58 Min. · Englisch · Michael Blackwood Productions

Der Film widmet sich den frühen Jahren Frank Gehrys in Los Angeles, kommentiert vom Architekten selbst. Im Zentrum steht sein eigenes Wohnhaus in Santa Monica: ein zunächst gewöhnliches Haus im holländisch-kolonialen Stil aus den 1920er-Jahren. Gehry erweiterte dieses 1978, indem er es mit alltäglichen Industriematerialien um­mantelte, mit Maschendraht, Wellblech und Sperrholz. Solche Materialien galten damals als minderwertig und nicht als architekturwürdige Baustoffe. Mit diesem Umbau setzt Gehry diese gerade deshalb und in völlig neuer Weise ein. Das Haus sorgt so für Aufsehen: bei den Nachbarn für Empörung, in der Fachwelt für Beachtung, die Gehrys Ruf begründet.

Der Film zeigt zudem weitere frühe Bauten im Großraum Los Angeles, das Norton House, die Loyola Law School und das Aerospace Museum, und damit Gehrys Weg vom privaten Wohnhaus zum großen öffentlichen Gebäude. Zu Wort kommen Künstler aus seinem Umfeld in Los Angeles: Billy Al Bengston, Ron Davis und Ed Moses, die Architekturhistoriker Kenneth Frampton und Kurt Forster, sein Psychoanalytiker Milton Wexler sowie seine Mutter Thelma Gehry.

 

15–15.57 Uhr:
Artbound: Light and Space (Richtung Kunst: Licht und Raum)
Regie: Sue Ding · 2020 · 57 Min. · Englisch · KCET / PBS SoCal (Artbound)

Im Mittelpunkt steht die Light and Space-Bewegung, eine in den 1960er-Jahren an der US-amerikanischen Westküste entstandene Kunstrichtung. Sie gilt als kalifornische Spielart des Minimalismus und ist eng mit dem hellen, beständigen Licht in Los Angeles verbunden. Der Film stellt drei zentrale Figuren der Bewegung vor: Robert Irwin, Larry Bell und Helen Pashgian, deren Werk die Kunsthistorikerin und Kuratorin Robin Clark bespricht. Sie arbeiteten mit künstlichem wie ebenso mit natürlichem Licht, das sich im Tagesverlauf verändert. Es wurde als bedeutender Bestandteil der Werke gesehen. Ihre Materialien stammten zum Teil aus der nach dem Zweiten Weltkrieg florierenden Auto- und Luftfahrtindustrie. Im Kern sind diese Arbeiten phänomenologische Untersuchungen; das Objekt ist dabei ein Vehikel, das den Akt des Sehens selbst erfahrbar macht.

Die von Sue Ding gedrehte Folge eröffnete 2020 die elfte Staffel der Reihe Artbound und wurde mit einem Los Angeles Area Emmy ausgezeichnet.

  

Programm + Texte: Marcus Herse, Künstler, Kurator und Wissenschaftler

14.00 16.30
Workshop

Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat bietet das Marta Herford ein offenes Mitmach-Angebot für Familien an.

Ob vor, nach oder während eines Ausstellungsbesuchs: Das offene Atelier in der Marta-Lobby lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, gemeinsam aktiv zu werden und verschiedene künstlerische Sprachen kennenzulernen.

Die Termine am 1. 3. und 19. 4. widmen sich dem Thema kreativ Natur entdecken.

 

Dauer
14 bis 16.30 Uhr

Ort
Marta-Lobby

Kosten
kostenfrei

Anmeldung
ohne Anmeldung, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

14.00 15.00
Führung

An der Seite einer*s Kunstvermittler*in erleben Sie die einzigartige Gehry-Architektur des Museums. Während des einstündigen Rundgangs bekommen Sie Informationen rund um das Marta als Bauwerk und haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Ticket
3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt

Anmeldung
ohne Anmeldung, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

15.00 16.00
Führung

In einer einstündigen Führung mit unseren freien Kunstvermittler*innen durch die aktuellen Ausstellungen bekommen Sie Informationen zu den ausstellenden Künstler*innen und ihren Werken und haben die Möglichkeit, Fragen an die Kunst zu stellen.

Ticket
3,50 Euro zzgl. Ausstellungseintritt

Anmeldung
ohne Anmeldung

Ausstellungen